Was ist Thermische Behaglichkeit?

Thermische Behaglichkeit

In unserem Zuhause möchten wir uns wohlfühlen. Ein entscheidender Aspekt ist dabei die thermische Behaglichkeit. Unabhängig von der Jahreszeit gibt die thermische Behaglichkeit an, wie wohl sich ein Mensch in einem Raum in Abhängigkeit von der Temperatur fühlt. Die thermische Behaglichkeit ist nach der Norm EN ISO 7730 (Behaglichkeitsnorm) festgelegt und ist beispielsweise in Bezug auf das Thema Passivhaus ein feststehender Begriff.

Auch wenn sich die Behaglichkeit wegen des individuellen Empfindens und der Anpassungsfähigkeit des menschlichen Körpers nicht einheitlich messen lässt, ist es möglich, Umgebungen herzustellen, in denen sich die meisten Menschen besonders wohl fühlen.

Welche Faktoren bestimmen die thermische Behaglichkeit?

6 Faktoren
für Behaglichkeit
Offene Küche mit Ess- udn Wohnbereich im Hintergrund in einem Fertighaus von Hanse Haus

1. Raumlufttemperatur

Bei der Raumlufttemperatur spricht man auch von der Zimmertemperatur, der Innentemperatur oder einfach der Raumtemperatur. Ganz allgemein gibt diese Temperatur an, wie warm beziehungsweise kalt es in einem Raum ist. Die Raumtemperatur hat den größten Einfluss auf das Empfinden von Behaglichkeit. Die jeweilige Wohlfühltemperatur hängt dabei stark von subjektiven Faktoren wie Bekleidung, Aktivität, Alter und Geschlecht ab.

In Deutschland liegt die Soll-Temperatur in Wohnräumen je nach Norm zwischen 18 und 23 °C. Um die benötigte Heizleistung zu berechnen wird meist eine Raumtemperatur von 21 °C herangezogen. Im Innenbereich sollten 16 °C nicht unterschritten werden. Außerdem sollte die Raumtemperatur im Sommer nicht über 26 °C steigen, damit sie noch als behaglich empfunden wird.  

Die ideale Raumtemperatur hängt aber auch von der jeweiligen Funktion des Zimmers ab. Für Schlafräume wird eine Temperatur von rund 18 °C empfohlen. Im Wohnzimmer werden durchschnittlich 22 °C als angenehm wahrgenommen. Aber auch hier ist die Empfindung jedes Einzelnen ganz individuell.

Küche und Einbaumöbel in einem Fertighaus von Hanse Haus

2. Oberflächentemperatur

Ob man einen Raum als thermisch behaglich empfindet, hängt auch von der Temperatur der Umschließungsflächen des Raumes, also der Wände oder Fenster ab. Ist die Oberflächentemperatur zum Beispiel an der Außenwand niedriger als die Raumtemperatur, gibt diese kalte Wand zu wenig Wärmestrahlung ab und der Raum wird als unbehaglich wahrgenommen.

Somit tragen auch ideal gedämmte Wände stark dazu bei, dass wir uns in unserem Zuhause wohlfühlen. Um thermische Behaglichkeit zu erreichen, sollten Bauteile wie dreifach verglaste Fenster, raumabschließende Wände, Decken und Böden eine Oberflächentemperatur von 18 bis 19 °C aufweisen.

So entstehen keine unangenehmen Zugerscheinungen. Insbesondere Strahlungswärme wird als sehr angenehm empfunden: Strahlen Oberflächen wie die Fußbodenheizung oder ein Ofen Wärme aus, genügt eine geringere Lufttemperatur, um das gleiche behagliche Raumklima zu vermitteln.

3. Verteilung der Lufttemperatur

Auch die Temperaturverteilung in einem Raum bestimmt, ob er behaglich erscheint. Generell sollte ein Temperaturunterschied zwischen Fuß- und Kopfhöhe nur 1 °C betragen, damit ein wohliges Gefühl hervorgerufen wird.

TIPP: Durch eine moderne Lüftungsanlage wird die Luft so vermischt, dass der Temperaturunterschied sehr gering ist.

4. Die Luftbewegung im Haus

Zusätzlich ausschlaggebend ist, wie stark sich die Luft in einem Raum bewegt. Um Behaglichkeit zu schaffen, sollte die Geschwindigkeit der Luftbewegung unter 0,2 m/s bleiben.

Ab 0,3 m/s spricht man von Zugluft. Im Sommer fühlt sich Luftbewegung in Räumen für uns oft sehr angenehm an, während wir Zugluft im Winter eher als störend empfinden.

5. Luftfeuchte

Die Luftfeuchtigkeit einem Raum entscheidet ebenfalls über die Behaglichkeit. Die relative Luftfeuchte wird in Prozent angegeben und beschreibt das Verhältnis zwischen dem tatsächlichen Dampfgehalt der Luft und der Dampfmenge, die bei der herrschenden Lufttemperatur maximal aufgenommen werden kann.

Bei einer zu geringen Luftfeuchtigkeit in einem Raum wirkt die Luft trocken. Ist sie dagegen zu hoch, fühlt sich die Raumluft schwül an. Die ideale Luftfeuchtigkeit steht in direkter Verbindung mit der Raumtemperatur: Bei der empfohlenen Zimmertemperatur im Bereich von 18 bis 23 °C sollte die relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent liegen, um ein angenehmes Raumklima zu erzielen.

 

OPTIMALE LUFTFEUCHTE: 40 bis 60%

6. Bekleidung und Aktivität

KLEIDUNG

Die Kleidung, die wir tragen, beeinflusst ebenfalls unser Empfinden von Behaglichkeit in einem Raum. Der Wohnraum mit Kachelofen wird vielleicht sogar im Winter beim Tragen eines T-Shirts als behaglich erachtet, während in einem kühleren Schlafraum eine warme Decke oder dicke Socken für ein wohliges Gefühl sorgen.

AKTIVITÄT

Neben der Kleidung ist auch die Aktivität einer Person in einem Raum entscheidend für ihre Wahrnehmung von Behaglichkeit. Ruht man auf dem Sofa, gibt man weniger Wärme ab. Bei Aktivitäten wie Treppensteigen oder Putzen ist die Wärmeabgabe weitaus größer.

Wie wird die thermische Behaglichkeit gemessen?

Messgrößen von Behaglichkeit

Es existieren zwei Größen, mit denen das Wohlbefinden beziehungsweise der thermische Komfort von Menschen in einem Raum beschrieben werden kann.

PMV (Predicted Mean Vote)

Der PMV-Index gibt die erwartete durchschnittliche Beurteilung des Raumklimas durch eine große Anzahl von Menschen an. Der dänische Wissenschaftler Ole Fanger entwickelte diesen Index, um zu beschrieben, wie die Behaglichkeit im Durchschnitt empfunden wird. Dabei sind die Personen gleich bekleidet und gleichen sich auch in ihrem Aktivitätslevel.

PPD (Predicted Percentage of Dissatisfied)

Der PPD-Index gibt den erwarteten Prozentanteil von Menschen an, die den Raum als unbehaglich empfinden.

Kalt

PMV-Index: -3 | PPD-Index (%): 99 | Belastungsstufe: stark | Biologische Wirkung: Kältestress

Kühl

PMV-Index: -2 | PPD-Index (%): 75 | Belastungsstufe: mäßig

Leicht kühl

PMV-Index: -1 | PPD-Index (%): 25 | Belastungsstufe: schwach

Behaglich / Neutral

PMV-Index: 0 | PPD-Index (%): 5 | Belastungsstufe: keine | Biologische Wirkung: keine